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©m.blazejovsky,2011




Geschichten, dies und das und sonst noch was... - Für Märchen Fan's

 

ACHTUNG! Meine homepage wird einmal pro Monat erneuert - neue Bilder, neue Texte...(das gilt vor allem für die Seite 'aktuelles' - und in weiterer Folge für: 'illustration', 'kunstwerk' und 'märchen').

Manchmal gibt es für einige Zeit Funkstille - zB. wenn sehr viel Arbeit ansteht.

Aber: hin und wieder hineinschauen lohnt sich immer :o)

 

Friedrich Karl Wächter

„Die Mondtücher“

Copyright 1988 by © Diogenes Verlag AG Zürich

ISBN 3 257 00699 3

 

Es war eine Kröte, die wusch ihre Wäsche im Meer.

Sie breitete sie über die felsige Küste und ließ sie im Mondlicht trocknen.

Fuhr ein Schiff vorbei, so lockten die gold und silbrig funkelnden Felsenkleider es allzu nahe heran, daß es der Brandung zum Opfer fiel und an den Klippen zerschellte. Da fanden unzählige Seeleute ihr Grab in den WellenEines Nachts kam wieder ein Schiff übers Meer und wieder lockte die glitzernde Küste, und wieder zerbrach das Schiff in der wütenden Brandung, dass alle Seeleute ertranken und bald nichts mehr zu sehen war als das brausende Meer im Mondschein. Nur eine Kiste, in der sie einen Affen gefangen hatten, tanzte noch lang auf den Wellen, bis auch sie gegen die Felsen geworfen wurde und zersplitterte.

Da sprang der Affe heraus, kletterte im sprühenden Gischt an einem Felsen hoch und wickelte sich in die goldeneKrötenwäsche hinein, um sich vor der Kälte zu schützen.Kurz vor Sonnenaufgang kam die Kröte, ihre Wäsche einzuholen, und fand nichts als die nackten grauen Felsen in der grauen Morgendämmerung.

Da machte sich die Kröte auf den Weg, ihre Wäsche wiederzufinden, und sie kroch sieben heiße Tage und sieben kalte Nächte durch ein wüstes Land.

Am Morgen des achten Tages kam die Kröte an das Tor einer großen Stadt. Sie fragte die Wächter, ob nicht einer mit ihren goldenen Mondtüchern durchs Tor gezogen sei, und die Wächter antworteten, dass in den letzten Tagen viele goldene und glitzernde Herrschaften herangereist seien, um am Abend auf dem Schloß den Sommerball zu erleben, an dem der junge König seine Frau finden wolle.

Da kroch die Kröte durch einen Wald den Schloßberg hoch und gelangte noch vor Abend an das Schloß. Doch vor dem Tor standen Soldaten mit langen Spießen, und wußten von keiner Kröte als Sommerballgast und ließen auch keine ins Schloß hinein.

Da kroch das Tier ineinen Hollerbusch und schaute daraus hervor auf die vielen prächtigen, schönen und wundersamen Gäste, wie sie unangefochten zwischen den Soldaten hindurch ins Schloß schlenderten, während es dunkel und dunkler wurde vor dem Tor, der Mond aufging und aus den Schloßfenstern Lachen und Lautenklänge an das Ohr der einsamen Kröte im Hollerbusch drangen.

Da sprang plötzlich noch ein verspäteter Sommerballgast aus dem Walde hervor. Der war in wundersames Glitzerwerk gewickelt, und sieben Zipfel und Endenaus leuchtendem Gold flatterten hinter ihm her, dass die Soldaten ihre Spieße hochrissen vor soviel Pracht und hinter ihm das Schloßtor veriegelten, denn die zahl der geladenen Gäste war erreicht. Und keiner hatte bemerkt, dass eine warzenüberwucherte kröte diesem schönen letzten Gaste unter seine flatternden Schöße geschlüpft und mit ihm durchs Tor gesprungen war.

Einige hatten wohl schon gehört von den Tanzkünsten des jungen Königs, wie nun aber alle den Goldumwehten zu Gesicht bekamenwaren doch das Erstaunen und die Bewunderung ungeheuerlich. Noch nie hatte sich einer mit solcher Eleganz und Leichtigkeit im Tanze gedreht und gewiegt, noch nie einer so atemberaubende und anmutige Sprünge vollführt.

Die schönen Mädchen drängten sich um diesen Außergewöhnlichen, und ein jedes wollte sich von ihm über den schimmernden Tanzboden wirbeln lassen und am Ende gar Königin werden.

Im Schatten eines Pfeilers saß die Kröte, hielt einen rosigen Fächer hoch, ihr grausliges Gesicht

dahinter zu verbergen, sah den Tanzenden zu, wiegte zum Takt der berauschenden Klänge auch mal ihren grindigen Kopf und versuchte sogar ein anmutiges Schrittchen, das aber so plump und unbeholfen ausfiel, daß sie bald ganz erstarrte, so als sei alles Leben aus ihr gewichen. Dabei war sie die einzige im Schloß, die ein fernes, zartes Klatschen hörte, wie wenn heiße Tränen auf kühle Steine fielen .

Als der junge König zum Schlosse kam, in dem er das schönste Mädchen im Lande zur Frau erwählen wollte, fand er das Tor verriegelt. Aus den Fenstern klangen die Jubeltöne der Tanzgeigen,in die sich das Lachen der Mädchen mischte. Der junge König konnte die Welt nicht mehr begreifen und weinte bitterlich.

Da öffnete sich das Tor, und der junge König ging an einer Gestalt, die sich hinter einen rosigen Fächer duckte, vorbei in den dunklen Torweg hinein, bis er durch seine Tränen verzerrt das taumelnde Treiben im Ballsaal sah und die schönen Mädchen, wie sie um einen goldglänzenden Tänzer herum wedelten, der sich so wunderbar bewegte, daß der junge König weiterzuweinen vergaß.

»Wer ist das?«stammelte er, und aus dem dunklen Torweg antwortete die geduckte Gestalt:

»Der Aff in meiner Wäsche.«

»Warum starren all diese Mädchen auf den Aff in deiner Wäsche?«

»Es hat sich zuviel Mondlicht darin verfangen. Das macht die Mädchen verrückt.«

»Ich will auch tanzen. Ich will auch verrü̈ckt sein«, seufzte der junge König, »darum sei du meine Tänzerin.«

»Ich werde nur mit dir tanzen«, sagte die geduckte Gestalt aus dem dunklen Torweg, »wenn du bis zum letzten Geigenton mit mir durchtanzen willst und erst dann hinter meinen Fächer schaust und mich ansiehst.« »Das will ich versprechen«, sagte der junge König und bat die Kröte zum Tanz.

Die Geigen jubelten, und die beiden tanzten. Aber dieser Tanz sah aus, als schleifte ein Bauer einen Rübensack über sein Feld, und die Sommerballgäste vergaßen zu tanzen und schütteten sich aus vor Lachen über ein so täppisches Tanzpaar.

»Tölpel und Erdkröten drängen hinauf bis ins Königsschloß«, sprach der goldene Tänzer,

»da mag ich nicht länger sein, da muß ich weiter zu meines Vaters Palast.«

Und er tanzte in die helle Nacht hinaus, daß seine sieben Goldzipfel im Mondlicht blitzten,

und an jedem hing ihm ein Mädchen und tanzte mit ihm nach Sü̈den.

Alle zog es hinaus, das Schauspiel zu genießen, wie das zaubrige Gespann im fernen Dunst der Mondnacht langsam versank, so daß es plötzlich ganz still war im Schloß.

Das warzige Trampeltier ließ sein Walzen und Wackeln, der Jü̈ngling sein Mü̈hen um artige Schleifen und Drehungen.

Er spü̈rte, wie die geduckte Gestalt in seinen Händen emporwuchs, und schaute hinter ihren Fächer und sah ein lachendes Mädchen an,

das war so schön wie der junge Morgen.

 

Weitere Bilder-Bücher von F.K.Wächter - alle im Diogenes Verlag (CH) erschienen

(und lauter Lieblingsbücher von mir !!!)

Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein (1978)

Die Reise (1980)

Die Bauern im Brunnen (1981)

 

 

Erzählen heißt:

mit dem Zuhörer kommunizieren, heißt, eigene Worte für Geschehnisse finden, heißt mit allen Sinnen dabei zu sein.

 

Aus meinem Erzählprogramm:

Märchennachmittage für Kinder und ihre Begleitung

Dauer: 1 - 1 1/2 Std

 

oder Märchenabende für Erwachsene

Dauer: 2 Std

 

Selbstverständlich gibt es auch Seminare und Workshops zum Thema 'Märchen/Erzählen' für PädagogInnen, BibliothekarInnen und alle, die gerne ihr Erzählen perfektionieren möchten.

Anfrage und detailiertes Programm über 'kontakt'

 

Märchenarbeitskreis

Die Vollmondwanderung im September war wunderschön. Die Lobau bot einen zauberhaften Rahmen, mit leise flüsterndem Wind und gurgelndem Wasser, silbernen Mondtalern auf den Blättern und vielen weisen und vergnügten Geschichten auf gemütlichen Rastplätzen.

Inzwischen hat unsere unsere Naturwissenschafterin Christa mit den 'technischen' Daten zum Mond vertraut gemacht. Elisabeth hat eine wunderschöne Installation zum Thema 'Mondphasen' gemacht, dazu Musik und Tanz in die Gruppe geholt, Karin hat es geschafft, dass wir an einem Abend zwei tolle Schattentheater-Versionen zu einem Mondmärchen 'hinter die Leinwand' gebracht haben und Evi hat zu einem asiatischen Mond-Märchen die Utensilien bereit gestellt, mit denen wir eine wunderbare plastische/collagierte Arbeit 'Mondlandschaft' geschaffen haben.