November - Für Märchen Fan's
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Seid also nicht ungehalten wenn es - wie heuer - große 'Aussetzer gibt'.
...Direktimport aus dem Orient...
Das Märchen von der Einladung der Kleider des Weisen Nasredin
gehört von Karin Tscholl in der Brunnenmarktpassage, Wien
und frei nacherzählt von maria blazejovsky
Nasredin fastete. Das war nicht wirklich seine Lieblingsbeschäftigung, aber jetzt, aus gegebenem Anlass schien es ihm sinnvoll. Er hatte eine Einladung - auf kostbares Pergament geschrieben - vom großen Sultan.
Er, Nasredin! - ist eingeladen zum großen Bankett der Gelehrten und Künstler!
Was für eine Freude! Was für ein Vergnügen! Was für eine langersehnte Auszeichnung!
Allein beim Gedanken an all die Köstlichkeiten die da aufgetragen werden würden rann ihm
das Wasser im Mund zusammen.
Er holte seinen feinen Rock hervor, bürstete ihn, drehte und wendete ihn ob auch nirgends ein Schaden zu sehen sei. Dann suchte er seine seidenen Hosen - ein Glück, dass er all die Jahre kein bissschen zugenommen hatte - sie passte wie angegossen.
Auch das feine Hemd hatte er sorgfältig zusammengefaltet aufbewahrt und als er es hervorholte, schien es vor Freude zu knistern!
In drei Tagen würde es soweit sein. Nasredin hatte sich vorgenommen, bis dahin keinen Bissen
zu essen. In seinem Bauch sollte ausreichend Platz für all die feinen Speisen sein, die er beim Sultan bekommen würde.
Bereits am frühen Morgen hatte Nasredin sich den Bart gebürstet und feinduftende Öle in sein Haar massiert. Ach - es gab soviel zu bedenken und vorzubereiten, dass es beinahe knapp mit der Zeit wurde, als Nasreden sich auf den Weg zum Sultans-Palast machte.
Er war gerade zwei Straßen weit gekommen, als ein vorbeifahrender Eselkarren ihm mit der Deichsel ein großes Stück Stoff aus der Hose riß. Entsetzt schaute Nasredin auf dieses Unglück und wild gestikulierend stellt er den Wagenführer zur Rede. Noch bevor der sich verteidigen konnte, rannte ein Junge mit einem Buckelkorb vorbei. Weil die Beiden die ganze Straße verstellt hatten kam es zu einem Engpass. Wer konnte da etwas dafür, dass der Ärmel von Nasredins Jacke am Korb hängenblieb und der Länge nach aufriß???
Nasredin begann vor Zorn und Ärger zu zittern - versuchte den Jungen zu fassen derweil der Eselführer mit seinem Wagen sich schnell davonmachte. Statt des Jungen hielt er plötzlich eine Kuh in den Händen die eben über die Straße wollte. Irritiert von dieser Umarmung ließ sie - Platsch - Platsch - Platsch ein paar saftige Fladen fallen und als Nasredin - sich Ärmel und Hose festhaltend weiterhastete - was soll ich sagen - rutschte er in eben diesen Fladen aus und fiel der Länge nach hinein.
Was sollte er machen - er besaß keine weiteren schönen Kleider und das Fest würde in kürzester Zeit beginnen. Notdürftig versuchte er sich am Brunnen zu reinigen , dann hastete er weiter und kam nach Atem ringend vor dem Tor des Palastes an. Er zog seine arg in Mitleidenschft gezogene Einladung hervor, aber die Soldaten kreuzten ihre Lanzen, sie hielten sich die nasen zu und wiesen ihn höhnisch lachend ab. Voller Scham und Ärger wankte und stolperte Nasredein davon - zurück nach Hause, Er schob den Riegel vor die Türe und die Läden vor die Fenster.
Da hockte er nun mit kurrendem Magen in seinem Elend.
Wie durch ein Wunder bekam Nasredin nach drei Monden nochmals eine Einladung. Erst hatte er seine Kleider endgültig zerreißen und wegwerfen wollen. Dann aber besann er sich, brachte sie zur zum Schneider und bat ihn, sie ihm doch nocheinmal schön herzurichten. Der Schneider tat sein Bestes - wusch, putzte, flickte und bügelte Jacke, Hemd und Hose so dass sie beinahe aussahen wie vor dem Unglück.
Diesmal fastete nasredin nicht und er ging schon früh am Morgen zum Palast es Sultans um nich wieder im Trubel der Tages-Geschäfte Schaden zu erleiden. So kam es, dass die Soldaten ihre lanzen zur Seite rissen und eine höfliche kleine Verbeugung vor dem schön gekleideten Nasredin machten.
Nasredin wurde zu seinem Platz an die prächtige Tafel geleitet, nach und nach füllte sich der Saal. Kluge Gespräche wurden geführt, Gedanken ausgetauscht und als der Sultan erschien waren alle in bester Laune und Feiertagsstimmung.
Die Diener kamen mit silbernen Platten und gläsernen Krügen. Sie brachten köstliche Speisen und erfrischenden Trank. Nasredin aber griff in die volle Schüssel und strich sich die Speisen über die jacke, auf die Hose, rieb sie sich ins hemd. Sprachlos und mit offenem Mund und entsetzen Augen schauten alle auf ihn und versuchten zu verstehen, was er da nmurmelte. Und wahrlich, es klang seltsam genug was sie da hörten:
„Esst meine lieben Kleider! Esst und trinkt! Lasst es euch schmecken, denn nicht ich bin es, der eingeladen wurde, sondern ihr, meine feinen Kleider! Darum esst! Esst und trinkt solange es euch schmeckt....!“
Der Sultan war anfangs verärgert und wollte Nasredin hinauswerfen lassen. Dann aber besann er sich und merkte sich die Lehre.
So kam es, dass Nasredin nicht nur mit einem vollen Bauch nach Hause ging, sondern auch noch mit einem großen Paket in dem ein prachtvoller Rock, ein feines Hemd und eine seidene Hose lagen, die der Sultan ihm als Geschenk überreichen ließ.
Erzählen heißt: mit dem Zuhörer kommunizieren, heißt, eigene Worte für Geschehnisse finden, heißt mit allen Sinnen dabei zu sein.
Aus meinem Erzählprogramm:
Märchennachmittage für Kinder und ihre Begleitung
Dauer: 1 - 1 1/2 Std
oder Märchenabende für Erwachsene
Dauer: 2 Std
Selbstverständlich gibt es auch Seminare und Workshops zum Thema 'Märchen/Erzählen' für PädagogInnen, BibliothekarInnen und alle, die gerne ihr Erzählen perfektionieren möchten.
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Märchenarbeitskreis
Dieses Jahr mache ich Arbeitskreis-Pause. Nach 12 Jahren intensiver Arbeit an und mit Märchen war einfach einmal Luft holen notwendig. Das bedeutet nicht, dass ich nicht nach wie vor begeisterte Erzählerin und Zuhörerin bin.
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